impuls 4 // 2018

P O R T R ÄT 9 Nachhaltig wirtschaften Weyer Holzbau fertigt nicht nur Häuser weitgehend aus dem nach- wachsenden Rohstoff Holz. Nach- haltigkeit spielt auch sonst eine wichtige Rolle. So liefern die von der ENERGIE installierten Solaranlagen auf den Dächern der Hallen Strom für die Maschinen. Und das zumeist im Sommer, wenn Zimmerleute Sai- son haben. Wenn die Solarzellen witterungs- bedingt Pause machen, kauft Stefan Weyer Strom von der ENERGIE zu. Denn als fest in der Region ver- wurzelter Unternehmer kann sich Stefan Weyer nur schwer vorstellen, elektrische Energie bei einem über- regional agierenden Händler zu be- schaffen. In SachenWärme istWeyer Holzbau weitgehend autark. Die Reststücke wandern in einen Häcks- ler und von dort in den Brenner. zum Einsatz. Hierfür werden Bretter ver- leimt, zu Balken geschnitten und von potenziellen Schwachstellen wie Ästen befreit. Die 13 Meter Standardlänge errei- chen die Produzenten, indem sie kürzere Teile mit einem extrem stabilen Zinkensys- tem, das die Oberfläche für den Leim ver- größert, verbinden. Die immer strengeren Bauvorschriften schließen die Verwendung anderer Hölzer sogar weitgehend aus. Pu- risten bemängeln die zumeist europäische Regelungswut, die diese Vorgaben her­ vorgebracht hat, häufig. Doch Konstrukti- onsvollholz bietet viele, nicht zu unter­ schätzende Vorteile. Der wichtigste: Die geleimten Balken arbeiten nicht annä- hernd so stark wie aus einem Stamm geschnittene. Zudem ist Konstruktionsvoll­ holz immer getrocknet. Das heißt: Schäd­ liche Insekten spielen keine Rolle mehr. Und nicht zuletzt machen die genormten Abmessungen und die gehobelten Seiten den Einsatz moderner Maschinen wie des CNC-Automaten erst möglich. Optimaler Baustoff Die guten Eigenschaften von Holz bleiben trotz der industriellen Verarbeitung erhal- ten. „Holzhäuser sind energiesparend und schnell aufgebaut“, führt Stefan Weyer aus. Dazu kommt, dass Holz sich wegen seines geringen Gewichts sehr gut für nachträgliche Aufstockungen eignet. Und weil üblicherweise kein Beton trocknen muss, sind die Häuser darüber hinaus schnell bezugsfertig. Nicht zuletzt überzeugt Holz als nachhalti- ger, weil nachwachsender Rohstoff. „Wir beziehen imWesentlichen Fichtenholz aus dem Schwarzwald“, erklärt Stefan Weyer. Dazu kommt ein kleiner Anteil Douglasie. Nut- und Federbretter stammen aus Skandinavien. „Hier sind die Wuchsbedin- gungen einfach besser“, begründet der Holzexperte. Tropenholz indes kommt dem Zimmerer nicht in die Werkstatt. Stattdessen verwendet er Lärche und Douglasie im Außenbereich. Die Entwicklung von der einfachen Zim- merei der Vorfahren zu dem, was Weyer Holzbau heute darstellt, hat viele Jahre in Anspruch genommen. Doch speziell seit Stefan Weyer den Betrieb 1995 übernahm, zog der Wandel als ständiger Begleiter ein. Im selben Jahr stellte er die ersten Dachde- cker an, um auch dieses benachbarte Feld zu beackern. 2005 folgte die Bauschreine- rei, sechs Jahre später die Spenglerei. Ak­ tuell sind 25 Mitarbeiter angestellt, drei junge Männer absolvieren bei Weyers eine Ausbildung zum Zimmermann, einer zum Dachdecker und ein weiterer zum Speng- ler. Speziell die frischgebackenen Zimmer- gesellen schneiden gut bei den Prüfungen ab. Zwei ausWeyerscher „Aufzucht“ haben es in die Nationalmannschaft der Zimme- rer geschafft und vertraten Deutschland bei Welt- und Europameisterschaften. Damit Stefan Weyer mit seinem Unter- nehmen in der Erfolgsspur bleibt, stehen die Zeichen weiter auf Innovation. So zum Beispiel verfügt er schon heute über Soft- ware, die alle Gewerke in einem Plan dar- stellt. „Bis alle anderen so weit sind und wir wirklich alle Daten untereinander austauschen und anschauen können, wer- den wohl noch ein paar Jahre vergehen“, prognostiziert er. Doch diese Erkenntnis veranlasst ihn nicht, selbst langsamer zu machen. Schließlich möchte er der siebten Generation, die schon mit Tochter Eva und Sohn Linus in den Startlöchern steht, einen zukunftsfähigen Betrieb übergeben. Beide bringen ideale Voraussetzungen mit: Sie sind gelernte Zimmerleute. Eva schließt derzeit ihr Bauingenieur-Studium ab, Linus lernt auf der Meister- und Techniker- schule. Man darf also fast sicher davon ausgehen, dass die Firma Weyer Holzbau auch in Zukunft traditionelles Handwerk und digitale Technik in idealer Weise miteinander verbindet. Weitere Infos: www.weyer-holzbau.de Der Übergang vom Zimmermann zum Dachdecker ist flie- ßend: Hier markieren die Handwerker die Stellen, an denen die die Latten anzubrin- gen sind. An diesen Latten hängen später die in der Region typi- schen Dachpfannen. Damit aus einem Rahmen eine Wand wird, befes- tigt der Zimmer- mannWeichfaser- platten auf den Vierkanthölzern. Fotos: Frank Melcher – trurnit

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