impuls 1 // 2019
8 PORTRÄT Respekt vor der Tanzmarie Sie gehört untrennbar zur Sitzung: die Garde. Das ganze Jahr über treffen sich die Teams mindestens zwei Mal pro Woche, um zu trainieren. Garde- tanz hat sich zu einem ernst zu nehmenden Leistungssport entwickelt, in dem deutsche Meisterschaften ausgetanzt werden. in seiner Struktur erhalten blieb und so weit zurückverfolgt werden kann“, argu- mentiert sie. Vor dem Fasten kommt der Narr Bei all den Fernsehsitzungen und der lau- ten Feierei ist es kaum zu glauben – aber die Entstehung der Fastnacht geht bis ins Mittelalter zurück. Viele alte Bilder im Museum belegen, wie es früher war: Die 40-tägige Fastenzeit vor Ostern stellte die landwirtschaftlich geprägte Gesellschaft DER KREISEL verjagte nicht nur die Vögel aus den Weinbergen, son- dern machte auch zur Fastnacht Lärm. DIE SCHNARRE oder Fahnenratsche wird auch heute noch häufig bei Sportveranstaltungen verwendet. im Mittelalter vor ein echtes Problem. Durch den Verzicht auf Fleisch, Eier, Milch und Alkohol hatten viele Berufsgruppen über die gesamte Zeit keine Arbeit. Und: Alle verderblichen Nahrungsmittel muss- ten mangels Kühlmöglichkeiten weg. Vor der Fastenzeit wurde daher richtig gefei- ert, viel gegessen und getrunken. Später kamen noch Tanz und Spiel dazu. „Leider ist der christliche Kontext heute nicht mehr so stark vorhanden. Das möchten wir den Besuchern wieder ins Gedächtnis rufen“, erklärt die Museumsleiterin. Eben- falls aus demMittelalter stammt die Figur des Narren. Seit jeher steht sie für die Las- terhaftigkeit der Menschen, die während der Fastnacht besonders zum Vorschein kommt. Prunk und Parodie Obwohl der Ursprung derselbe ist, haben sich über die Jahrhunderte regionale Be- sonderheiten in Bräuchen und Figuren herauskristallisiert: „Holzmasken finden sich zum Beispiel nur in Regionen, in de- nen es viel Forstwirtschaft gab, wie zum Beispiel im Schwarzwald oder Alpenvor- land“, weiß Daniela Sandner. Die Entwicklung im Rheinland war eine ganz andere: Der Karneval dort war ur- sprünglich eine Militärparodie, mit der die stolzen Kölner den Besatzungsmächten Frankreich und Preußen auf der Nase he rumtanzen wollten. Das zeigen auch die Kostüme, die es im Museum zu bewun- dern gibt: Militärjacken und sogar Geweh- re waren der Dresscode für den Rosenmon- tagsumzug, der letztendlich ein gefakter Militärmarsch war. Auch die prunkvollen Orden, die im Museum ausgestellt sind, entstammen dem Gedanken, das Gel- tungsbedürfnis des Militärs zu überspitzen und ins Lächerliche zu ziehen. Doch wer darüber nachdenkt, wie ernst einige die Fastnachtsfeierei heute nehmen, erkennt schnell, dass der ursprüngliche Gedanke nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Der grobe Grusel Wie die Ordensammlung zeigt auch die Maskengalerie nur einen Bruchteil der zum großen Teil archivierten Exponate des Museums. Manche sehen wirklich schau- rig aus. „Bei den Masken gehört ein gewis- ser Gruselfaktor dazu“, findet Daniela Sandner. Insbesondere die Hexen- und Teufelsmasken aus Tirol und der Schweiz können das Fürchten lehren. Jede Maske, wie auch jede Fastnachtsfigur, hat ihre 5300 VEREINE sind im Bund Deutscher Karneval organisiert, über 300 davon in Franken. Lärm gehört dazu: Ratschen DAS BRETT oder auch die Kastenratsche genannt, er- setzt seit jeher das Glocken- läuten in der Karwoche. Die Multimedia-Show zeigt verschiedene Narrenfiguren aus Deutschland und Tirol.
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