impuls 4 // 2018

P O R T R ÄT Weyer Holzbau in Roden-Ansbach Ein ganz normaler Werktag im kleinen Ort Roden-Ansbach. Die Tür einer riesigen Halle in einer Seitenstraße steht offen. Es riecht nach Holz. KeinWunder. Entlang der linken Wand lagern auf der ganzen Länge fast bis unter die Decke Vierkanthölzer und Bohlen in unterschiedlichen Dicken. Aber alle gleich lang. 13 Meter. Der einzige Arbeiter hier hat seinen Gabelstapler, mit dem er gerade noch eines dieser gewalti- gen Holzstücke aus dem Regal geholt und auf einem Metallgestell abgelegt hat, in sicherer Entfernung abgestellt. Jetzt schiebt er das schwere Vierkantholz so auf demMetallgestell zurecht, dass es die Vor- richtung der Maschine greifen kann. Dann schaut er kurz auf einen Plan und drückt ein paar Knöpfe. Wenige Sekunden später läuft das Vierkantholz auf der anderen Sei- te der Maschine heraus. Mit Löchern und Aussparungen versehen. Und natürlich auf den Millimeter genau zurechtgeschnitten. Der Arbeiter klebt das Etikett, das die Ma- schine in der Zwischenzeit gedruckt hat, gut sichtbar auf die Stirnseite und trägt das Holzstück auf einen kleinen Stapel. Der Schwalbenschwanz ist wieder da „Das ist eine Strebe für eine Wand“, erklärt Stefan Weyer, Geschäftsführer und Inha- ber von Weyer Holzbau. „Dafür hätte mein Vater, ein sehr geschickter Zimmermeister, ein Vielfaches der Zeit gebraucht. Und wäre nicht annähernd so genau gewesen“, ergänzt er. Die CNC-Abbundanlage, die seit 2013 bei Weyers in Betrieb ist, hat die Arbeit der Zimmerei nachhaltig beein- flusst. Aber nicht nur, weil sie schneller und genauer ist als jeder Mensch. Tat­ sächlich hat sie vieles von dem zurückge- bracht, was über die Jahre verloren schien. Denn um im Wettbewerb zu bestehen, Zimmerleute sind gefragt, ihre Auftragsbücher üblicherweise gut gefüllt. Wenn ein solcher Handwerksbetrieb dann auch noch neben den üblichen Dachstühlen und Gauben ganze Häuser plant, fertigt und aufbaut, wird es spannend. impuls hat das Familien­ unternehmen Weyer Holzbau besucht und festgestellt, dass gutes altes Handwerk und Digitalisierung bestens zusammenpassen. Tradition trifft Moderne 6 haben die Zimmerleute immer wieder ihre Arbeitsweisen verändert. Klassische Holzverbindungen wie etwa Schwalben- schwänze fielen der Rationalisierung zum Opfer. Es war schlicht zu teuer, ihre Zapfen mit Säge, Stemmeisen und Hammer so auszuarbeiten, dass sie formschlüssig in die entsprechenden, mindestens ebenso aufwendig hergestellten Aussparungen passen und so etwa zwei Balken ohne

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