impuls 3 // 2018
P O R T R ÄT 8 bringt er in Erfahrung, welche neuen Pro dukte besonders begehrt sind. „Dann über lege ich kurz, welcher unserer Betriebe ent sprechende Kapazitäten hat, und leite die Anfrage weiter.“ Üblicherweise stellt der Landwirt seine Produktion um. „Wir sind vor allem dann erfolgreich, wenn wir Ni schen besetzen, die für Großbetriebe un interessant sind“, bringt es Kai Fuchs auf den Punkt. Solch ein Nischenprodukt sind Himbeeren bis in den Dezember. Die gibt es in diesem Jahr erstmals von der Gar tenbauzentrale Main-Donau. Ein Betrieb hat dafür einen Teil seines Glashauses mit Himbeersträuchern besetzt. Die Ernte startet, wenn die Saison für die hiesigen Freilandfrüchte durch ist – Ende August. Muster der hübschen Karton-Schälchen für die Himbeeren stehen bereits auf dem Schreibtisch von Kai Fuchs. Beeindruckende Zahlen Obwohl die Genossenschaft im Vergleich ein eher kleiner Akteur ist, kann sie beein druckende Zahlen vorweisen: Die Mit gliedsbetriebe produzieren auf etwas über 720 Hektar Freiland- und Gewächshausflä che jährlich rund 300000Tonnen hoch wertiges Gemüse. Karotten haben mit 8000 bis 10000 Tonnen den größten An teil. Gefolgt von Lauch und Blumenkohl bei den Freilandgemüsen. Die Top-Drei aus dem Glashaus sind Gurken, Strauchtoma ten und Rettiche. Bevor Gemüse aus Albertshofen in den Handel kommt, benötigt es häufig eine Verpackung. Hierbei richtet sich die Ge nossenschaft völlig nach den Bedürfnis sen ihrer Kunden. „Wir packen alles fix und fertig“, erklärt Kai Fuchs. Das bedeu tet, dass etwa Möh ren üblicherweise in die gleiche, aus dem Supermarkt bekann te durchsichtige Kunststoffschale ge langen, diese dann aber in die jeweils passende Folie des Auftraggebers einge schweißt wird. „Einige unserer größeren Betriebe liefern die Ware auch schon ent sprechend verpackt bei uns an“, führt er weiter aus. Stichwort Warenanlieferung: Auf dem Ge lände in der Seebachstraße wird sieben Tage die Woche gearbeitet. Hier gibt der Markt die Schlagzahl vor: Auch montags morgens soll frisches Gemüse in den Rega len liegen. Das erfordert, dass die voll be ladenen Lkw sonntagabends den Hof in Albertshofen verlassen. Und damit das passieren kann, müssen die Landwirte im Laufe des Sonntags anliefern. Darüber hinaus bestimmt außerdem die Größe den Ernte- und damit den Anliefer termin. „Seit einigen Jahren geht der Trend bei vielen Produkten zu möglichst gleich großen Einheiten, denn im Regal soll alles schön gleichmäßig aussehen“, weiß Kai Fuchs. Oder anders ausgedrückt: Die Su permärkte definieren Mindest- und Ma ximalgewichte oder -größen. Ob das sinn voll ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Solch relativ enge Toleranzen einzu halten, ist besonders bei Schlangengurken nicht ganz einfach. Sie werden in sechs verschiedene Katego rien eingeteilt, wobei die mittlere zwischen 400 und 500 Gramm die beliebteste ist. Die Crux daran: An einem einzigen Tag wächst solch eine Gurke in die nächsthöhere Kategorie. „Da müssen wir mit unseren Betrieben sehr genau planen“, erzählt Kai Fuchs. Denn wenn mehr große Exemplare übrig bleiben als gewünscht, sinken die Erlöse. Zur dieser Einheitsentwicklung gibt es glücklicherweise eine Gegenbewegung, die deutschlandweit immer mehr Fahrt aufnimmt: Wochenmärkte. Hier werden nach wie vor alle Größen und Gewichte angeboten. „Weil die Kunden danach fra gen“, ist sich Kai Fuchs sicher. Folglich ist die Gartenbauzentrale Main-Donau auch auf diesem Sektor aktiv. „Wir belie fern Großmärkte, bei denen sich Markt gänger mit hochwertigem regionalem Gemüse eindecken“, freut sich Kai Fuchs. Strom vom Dach Unabhängig vom Empfänger der Ware – für einen Lieferanten von Gemüse ist es immer ein Vorteil, Ernte- und Lieferzeit punkt zumindest ein Stück weit voneinan der zu entkoppeln. Deshalb verfügt die Genossenschaft über riesige Kühlhäuser – mit 11 400 Kubikmetern Volumen allein in Das nicht mehr ganz neue Logo der Gartenbauzentrale Main-Donau eG spielt mit den beiden Standorten Albertshofen und Gundelfingen. Mit Erfolg: Die Marke hat sich inzwischen etabliert. Eine spezielle Maschine packt immer genau oder etwas mehr … … als ein Kilogramm Möhren zu- sammen in eine Kunststoffschale. Menschliche Finger rücken Überstand zurecht, damit die Folie passt.
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